Am Tag der Zeitumstellung wurden im Schwanheimer Stadtteil wieder knapp 17.000 Marathon-Läuferinnen und Läufer erwartet, die in der Martinskirch- bzw. Mauritiusstr von den Zuschauern angefeuert werden sollten. Um die Versorgung mit Wasser sicherzustellen, wurde bei km 22,5 in der Mauritiusstr. wie immer eine Wasserstelle aufgebaut. Den Läufern wird allerdings kein Leitungswasser angeboten, sondern bestes Rosbacher Naturell aus der Flasche.
Betrieben wurde die Wasserstelle von einer bewährten Mannschaft, die zur Hälfte aus Läufern vom Team Nauheim aus Wetzlar und Sportlern der TuS bestand, organisiert natürlich von Dean Raineri.

Höhepunkt beim Aufbau des Standes ist einmal das Öffnen des Hydranten am Straßenrand mit speziellem Werkzeug, um Wasser zum Spülen von Bottichen zur Verfügung zu haben. Während des Laufs werden nämlich die Becher für die Läufer nicht direkt aus der Flasche gefüllt, was viel zu lange dauern würde, sondern das Wasser wird zeitsparend aus Bottichen geschöpft. Zum zweiten werden über 100 Kästen Wasser in einer speziellen Technik in die Bottiche geleert, was man sonst nicht so zu sehen bekommt. Die erfahrenen Standleute haben daher Handschuhe dabei, weil das Aufdrehen von hunderten Flaschen rote Stellen an den Händen produziert. Der Aufbau der Tische und der Utensilien ist schnell gemacht. Banner, Werbeaufsteller und Fähnchen werden diesmal nicht platziert, weil der starke Wind dies verhindert. Nachdem Hunderte von gefüllten Bechern aufgestellt sind, bleibt etwas Zeit fürs zweite Frühstück aus der Verpflegungsbox, die vom Veranstalter gestiftet wird. Es wird geplaudert und spekuliert, ob jemand bei den kühlen Temperaturen einen Schwamm in den vorgesehen Wasserbottich taucht und sich den Nacken kühlt (ja, das machen tatsächlich mehrere). Gespannt wartet man dann auf das Erscheinen der offiziellen Begleitfahrzeuge und des Hubschraubers, der die Spitzengruppe der Läufer ankündigt.

Die erste Garde der Läufer huscht an den Tischen mit den Bechern vorbei, ohne sie überhaupt wahrzunehmen. Kurz darauf taucht die erste Frau auf, die inmitten eines Karrees aus Bodyguards und Tempomachern so abgeschirmt ist, dass sie keinen Becher ergreifen könnte. Erst dann wird es hektisch, wenn die ambitionierten Läufer einem die Wasserbecher aus den Händen reißen und die Zahl der Becher auf dem Tisch abnimmt. Dann heißt es: Becher schöpfen und ab auf den Tisch. Die Hände werden kalt, weil sie beim Tunken nass werden und der kalte Wind seinen Beitrag leistet.
Man hat nur wenig Zeit, sich die Sportler genauer anzusehen. Zu Dutzenden fließen die Gesichter vorbei, es bleiben nur Zehntelsekunden, um zu taxieren „Erreicht der das Ziel?“. Einige Gestalten jedoch erregen Aufmerksamkeit beim Betrachter: Die Barfußläufer, die als Balletttänzerinnen verkleidet sind; der brasilianisch Angehauchte, der mit grün-gelbem Plüsch behängt ist; der Barfußläufer mit einem Surfbrett unter dem Arm (Warum macht er das ?); die jungen Frauen, die trotz Kälte bauchnabelfrei mit geröteter Haut unterwegs sind; der arme Kerl, der an der Straßenecke auf dezente Weise seinen Magen umstülpt; bunte Kostüme; schweißdurchtränkte schwerfällige Figuren und locker Trabende; Sommersportler mit kurze Hosen und vermummelte Gestalten, eingewickelt in mehrere Lagen Stoff ….
Am schönsten aber sind für mich die Momente, in denen ich einem Sportler einen Becher direkt in die Hand reichen kann. Manchmal kommt es nämlich vor, dass ein Läufer aus seinem „Tunnel“ auftaucht und auf der gegenüberliegenden Straßenseite feststellt, dass der Wasserstand bald passiert ist. Dann wird der hochgehaltene Becher mit den Augen fixiert - ich werde taxiert, ob der Blickkontakt das ganze Manöver halten wird - der Läufer quert von der anderen Straßenseite den Pulk - letzter Blickkontakt, dann die gelungene Übergabe von Hand zu Hand ohne Plantschen - und zum Schluss die Dankbarkeit in den Augen. Die kurze Verbindung ist schnell gebrochen - die schnellen Läufer eilen wortlos weiter, die langsameren weiter hinten im Pulk hauchen vielleicht ein „Danke“ oder „Schön, dass ihr uns unterstützt“.

Sobald der Andrang nach einer Stunde Hochbetrieb nachlässt, hat man wieder Zeit, sich die Strecke genauer anzusehen: Hunderte von platt getretenen, schmutzigen Bechern liegen auf dem Straßenbelag, hunderte unversehrte Becher werden vom Wind wie eine weiße Herde Schafe synchron durch die Straße getrieben, wobei man ein eigentümliches, dumpfes Klunkern hört, wenn die Becher kollidieren - eine Mischung aus Glockengeläut und Hagelschauer.
Gegen Ende des Laufes, wenn nur noch vereinzelt Personen vorbeitraben und sich sogar eine Stehpause am Wasserstand leisten, bleibt etwas Zeit, den Abbau vorzubereiten und eine Gelegenheit zum Schmunzeln, wenn Dean etliche liegengebliebene Becher aus den Querstraßen zusammenfegt, die aber gleich beim nächsten Windstoß wieder auseinandergetrieben werden. Dann hilft nichts anderes, als das Aufräumen den Profis vom FES zu überlassen. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr.











